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Bluthochdruck u. Risikofaktoren des Herz-Kreislauf-Systems

Bei der Blutdruckmessung werden ein oberer (systolischer) und ein unterer (diastolischer) Blutdruckwert bestimmt. Von einem Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) spricht man, wenn der Blutdruck in Ruhe den Wert von 140/90mmHg überschreitet. Dabei kann eine isolierte systolische von einer diastolischen oder kombinierten Hypertonie unterschieden werden.

ln den Industrienationen steigt der systolische Blutdruck mit dem Lebensalter, während der diastolische Blutdruck ab dem 60. - 65. Lebensjahr absinkt. Dass der Blutdruck mit zunehmendem Alter kontinuierlich ansteigt, liegt in der sich mit zunehmender Lebensdauer entwickelnden Gefäßversteifung und Verkalkung (Atherosklerose) begründet, die insbesondere bei der älteren Bevölkerung häufig zur isoliert systolischen Hypertonie führt. In Deutschland sind etwa 35 Millionen Bundesbürger von Bluthochdruck betroffen, von denen nur jeder 2. von seiner Erkrankung weiß und nur jeder 5. Bluthochdruck-Kranke sich in Behandlung befindet. Grundsätzlich können 2 Formen des Bluthochdrucks unterschieden werden:

Primäre, essentielle Hypertonie: Die essentielle Hypertonie ist definiert als Bluthochdruck, dem keine spezifische sekundäre Ursache zugrunde liegt. Sie ist die häufigste Form von Bluthochdruck und betrifft ca. 90% aller Patienten mit Bluthochdruck. Ihre Entstehung ist multifaktoriell und polygen bedingt. Das Alter der Erstmanifestation und ihre Ausprägung werden wesentlich von Ernährungsfaktoren (vermehrte Kochsalzaufnahme, erhöhter Alkoholkonsum), Nikotinkonsum, körperlicher Aktivität und psychosozialem Stress beeinflusst.

Sekundäre Hypertonie: In ca. 10% ist der Bluthochdruck auf eine Störung der Nierenfunktion bzw. Durchblutung oder auf eine hormonelle Erkrankung zurückzuführen, die zu einer Blutdruckfehlregulation führt. Beispiele für hormonell endokrine Störungen sind das sogenannte Conn-Syndrom, Cushing-Syndrom, Phäochromozytom und die Schilddrüsenüberfunktion. Weitere Ursachen eines sekundären Bluthochdrucks sind die Aortenisthmusstenose, das Schlafapnoe-Syndrom und der auf Medikamente (Ovulationshemmer, Kortikosteroide, Erythropoietin, nichtsteroidale Antiphlogistika, Cyclosporin, Amphetamine) bzw. bestimmte Substanzen (Lakritze, Kokain) zurückzuführende Bluthochdruck. Eine spezielle Form des Bluthochdrucks sind mit Bluthochdruck einhergehende Schwangerschaftserkrankungen, die bei ca. 15% aller Schwangerschaften auftreten und sich nicht in allen Fällen nach der Schwangerschaft wieder normalisieren.

Von der primären und sekundären Hypertonie ist ein Praxishochdruck, auch Weißkittelhochdruck genannt, abzugrenzen, bei dem Praxisblutdruckwerte >140/90mmHg aber normale Werte in der Langzeit-Blutdruckmessung (ABDM) oder bei häuslichen Messungen bestimmt werden.

Da Bluthochdruck nicht mit spezifischen Symptomen einhergeht wird eine arterielle Hypertonie häufig erst beim Auftreten von Komplikationen diagnostiziert. Hinweise auf einen Bluthochdruck können Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Nervosität, Nasenbluten, Luftnot, Brustschmerzen oder eine Leistungsschwäche sein. Besteht ein Bluthochdruck über einen längeren Zeitraum kann es am Herzen zu einer deutlichen Zunahme der Muskelmasse und Herzschwäche kommen. Darüber hinaus begünstigt der Bluthochdruck die Entstehung bzw. das Fortschreiten der Gefäßverkalkung. Hierdurch kann es zu einer Verengung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) bzw. Extremitäten- oder Halsgefäße (periphere arterielle Verschlusserkrankung; Karotisstenose) oder einer hochdruck-bedingten Nierenschädigung kommen, die klinisch als Brustschmerzen (Angina pectoris), Herzinfarkt, Schaufensterkrankheit, Schlaganfall oder Nierenversagen in Erscheinung treten kann. 

 

Diagnostik und Therapie

Um die Diagnose eines Bluthochdrucks zu stellen sind immer mehrere Blutdruckmessungen an mehreren Tagen oder besser eine Langzeit-Blutdruckmessung (ABDM) notwendig. Die Langzeit-Blutdruckmessung erlaubt neben der Identifikation eines Praxishochdrucks auch eine Beurteilung des nächtlichen Blutdruckverhaltens und damit des Herz-Kreislauf-Risikos. Diesbzgl. weisen Patienten ohne nächtlichen Blutdruckabfall (Non-Dipper) ein erhöhtes Risiko für Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems auf.

Die Behandlung sekundärer Bluthochdruckformen besteht in der Therapie der Grunderkrankung. In Hinblick auf die Behandlung der primären, essentiellen Hypertonie sollte neben der medikamentösen Therapie grundsätzlich eine Anpassung der Lebensgewohnheiten erfolgen. Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen zur Verbesserung der Blutdruckkontrolle beinhalten eine Gewichtsoptimierung, regelmäßige körperliche Aktivität bevorzugt im Rahmen eines regelmäßigen Ausdauertrainings, Nikotinkarenz, mediterrane fettarme Ernährung, Stress-Vermeidung sowie eine Einschränkung des Alkoholkonsums. Da die primäre, essentielle Hypertonie nicht kausal behandelt werden kann, zielt die Therapie auf eine Vermeidung von Organschäden ab. Bei der medikamentösen Therapie werden in der Regel Blutdruckwerte um 130/80mmHg angestrebt. Grundsätzlich sollte eine Blutdruckbehandlung immer eine individualisierte Therapie sein. Um eine effektive Blutdruckkontrolle zu erreichen und das Auftreten von Nebenwirkungen zu reduzieren werden bevorzugt mehrere Medikamente in Kombination angewendet.

Medikamente

Folgende Medikamentenklassen gelten als Therapie der ersten Wahl bei der essentiellen Hypertonie:

ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer)
Verhindern weitgehend die Entstehung von Angiotensin II, das Gefäße eng stellt und damit den Blutdruck erhöht. Verursachen in 10% Reizhusten und dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

AT 1-Rezeptor-Antagonisten (Sartane)
Blockieren die Effekte von Angiotensin II an den Rezeptoren im Gewebe. Dürfen nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden.

Kalzium-Antagonisten
Hemmen den Kalzium Einstrom in die Muskelzelle der Gefäße oder des Herzens und entspannen damit die Muskeln bzw. stellen die Gefäße weit (Amlodipin). Verapamil oder Diltiazem verlangsamen den Herzschlag. In höherer Dosierung sind Wassereinlagerungen an den Knöcheln möglich.

Betablocker
Blockieren Beta-Rezeptoren am Herzen an die blutdrucksteigernde Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin binden.

Diuretika (Wasser treibende Tabletten)
Steigern die Ausscheidung von Salz und Wasser und reduzieren darüber den Blutdruck.

Kommt es auch unter Anwendung von 3 blutdrucksenkenden Medikamenten, von denen eins ein Diuretikum ist, nicht zu einer Blutdruckkontrolle <160mmHg systolisch (bei Diabetikern <150mmHg) liegt eine therapierefraktäre Hypertonie vor. Bei Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie besteht neuerdings die Möglichkeit über einen katheter-interventionellen Eingriff (Renale sympathische Denervation) die Aktivität des sympathischen Nervensystems und damit den Blutdruck zu senken.

 

Weitere Risikofaktoren des Herz-Kreislauf-Systems

Neben dem Bluthochdruck stellen Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Übergewicht u. Fettleibigkeit (Adipositas), körperliche Inaktivität, Nikotin- und übermäßiger Alkoholkonsum, psychosozialer Stress sowie eine genetische Veranlagung Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Nierenversagen dar (siehe auch Vorsorge & Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen).